Geschichtsunterricht der besonderen Art in der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora

Am Donnerstag, dem 22. März 2018, besuchten wir, die neunten Klassen des Freien Gymnasiums und der Freien Sekundarschule Großkorbetha, das ehemalige Konzentrationslager Mittelbau – Dora. Dieses wurde erst anderthalb Jahre vor Ende des zweiten Weltkriegs eingerichtet. Zu dieser Zeit war für Deutschland der Krieg bereits verloren, dennoch propagandierten die Nationalsozialisten den „Endsieg“ und den „Totalen Krieg“. Die Häftlinge des KZ – Außenlagers „Dora“ mussten untertage Zwangsarbeit für die deutsche Rüstungsindustrie leisten. In den Werksanlagen des Mittelbaus wurden die „Vergeltungswaffe 2“ (V2), sowie die Flugbombe „Vergeltungswaffe 1“ (V1) produziert.
Nach unserer Ankunft wurden wir von Mitarbeitern zu einer rekonstruierten Holzbaracke geführt, die heute als Ausstellungs- und Seminarraum dient. Zur NS – Zeit existierten 50 solcher Unterkunftsbaracken, in denen bis zu 300 Häftlinge einquartiert waren.
Anschließend schauten wir uns den Appellplatz, der sich im Zentrum des Häftlingslagers befand, die Feuerwache und das Krematorium an. Das Krematorium wurde erst 1944 in Betrieb genommen, hier wurden etwa 5 000 Leichen verbrannt. Die Asche der Verbrannten ließ die SS hinter dem Krematorium abkippen. Bevor es dieses gab wurden die Leichen zur Verbrennung nach Buchenwald gebracht.
Schließlich besichtigten wir die Stollenanlagen, welche 1947/48 durch sowjetische Militärbehörden gesprengt wurden. Seit 1995 ist das Stollensystem durch neu angelegte Tunnel wieder zugänglich. Der Zustand des Tunnels wurde kaum verändert, überall liegen Gesteinsbrocken und Reste aus der Produktion. Partiell ist der Stollen auch mit Grundwasser durchflutet. Zu besichtigen ist noch ein Teil eines Längsstollen und drei Querstollen. Die Querstollen dienten bis Juni 1944 als Häftlingsunterkünfte. In den sogenannten „Schlafstollen“ wurden vierstöckige Holzpritschen errichtet. Schon bald waren die Schlafkammern mit Ungeziefer und Fäkalien verdreckt, da es kaum eine Gelegenheit zum Waschen gab. Als Latrinen dienten halbierte Benzinfässer. Nach SS – Zählungen starben schon bis März 1944 3 000 Inhaftierte aufgrund von Schlafentzug, Hunger, Überanstrengung, Krankheiten und Misshandlungen in den Stollen.
Zum Schluss wurden uns Originalbilder und -videos von der Befreiung des KZ - Außenlagers „Dora“ am 11. April 1945 gezeigt. Zu diesem Zeitpunkt waren die meisten Lager des Konzentrationslagers aufgrund von Todesmärschen schon vollständig geräumt. Die SS ließ lediglich kleinere Lager und einige hunderte Kranke und Sterbende zurück. Diese wurden befreit, als die amerikanischen Truppen in Nordhausen einrückten.
Von August 1943 bis März 1945 wurden etwa 60 000 Menschen in das Konzentrationslager Mittelbau – Dora deportiert. Davon starben nach Schätzungen 20 000.
Die Verantwortung dafür tragen aus heutiger Sicht nicht nur die Angehörigen der SS und der Wehrmacht, sondern auch viele Wissenschaftler, Ingenieure und Rüstungsmanager des Mittelwerks. Auch die deutsche Zivilbevölkerung wusste über die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Häftlinge Bescheid und war nicht selten an den Verbrechen beteiligt.

Clara Kalbitz, 9G1

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