Schüler im Krankenhaus

Nein, nicht eine Krankheit führte Schülerinnen und Schüler in ein Krankenhaus nach Leipzig, sondern der Lehrplan. Was bedeutet Diakonie? Was ist ein diakonisches Krankenhaus? Was ist daran anders? In welchen Bereichen ist Diakonie in Deutschland tätig? Welche Wurzeln für protestantisches soziales Engagement gibt es in unserer Region? Zu diesen Fragen recherchierten, arbeiteten und präsentierten in den vergangenen Wochen die Schülerinnen und Schüler im Religionsunterricht. Wenige S-Bahn Stationen von unserer Schule entfernt wählten wir dann eine größere Einrichtung der Diakonie als Exkursionsziel aus: das Diakonissenkrankenhaus in Leipzig. Gewiss nicht die einzige, aber eine mit langer und guter christlich-diakonischer Tradition. Und so besuchten die – nicht von der Erkältungs- und Grippewelle verhinderten – Religionsschülerinnen und -schüler aus zwei 9. Klassen am Freitag, dem 23. Februar 2018, das Diakonissen-Krankenhaus.
Herzlich empfangen wurden wir von der Pflegedirektorin Frau Völkel-Lutz und Diakonisse Schwester Maria Wermuth.
Oberarzt Dr. Stöhr gewährte uns danach einen Einblick in die Notaufnahme, den Schockraum und weitere Räume der Notfallambulanz. Bei mehr Zeitbudget hätten wir hier gut den 'Crash-Kurs' in Sachen Notfallmedizin noch ausweiten können. Doch auch wie das diakonische Leitbild des Krankenhauses „Zuwendung und Vertrauen“ in diesem Bereich konkret umgesetzt wird, erklärte uns Dr. Stöhr sehr offen: in der Verbindung von einem hohen Selbstanspruch, Professionalität in der Sache, persönlicher Zuwendung, getragen von einem christlichen Menschenbild und der Notwendigkeit, als Krankenhaus in allem zugleich wirtschaftlich zu arbeiten.
Auf einem Rundgang über das Gelände entdeckten wir eine gelungene Verbindung von Alt und Neu: die – inzwischen natürlich anderweitig genutzten – ehemaligen Krankensäle des Diakonissen-Krankenhauses und moderne Erweiterungsbauten.
Schwester Maria, lange Zeit war sie Lehrerin der Krankenpflegeschule des Diakonissenhauses, erzählte uns im Andachtsraum des Krankenhauses vieles über die Geschichte der Diakonissen im 19. Jahrhundert, über die Anfänge des Diakonissen-Krankenhauses in Leipzig-Lindenau um die Wende zum 20. Jh. und die Veränderungen bis heute.
Frau Ellinger stellte uns ihre Arbeit als Krankenhausseelsorgerin vor. Sich Zeit zu nehmen, wirklich Zeit zu haben für die Menschen und ihnen 'auf Augenhöhe' zu begegnen, ist ihr dabei sehr wichtig. Andachten und Gottesdienste anbieten zu können, oder einfach nur mit dem Andachtsraum einen Ort für Ruhe, Einkehr und ein Gebet aufsuchen zu können, ist neben der medizinischen Versorgung eine tragende Säule der Arbeit des Diakonissenhauses. Frau Völkel-Lutz und Schwester Maria begleiteten uns durch das Krankenhaus bis hin zum „Mutterhaus“ der Diakonissen, informierten, moderierten und beantworteten Fragen, so dass es zu einem gelungenen Besuch eines außerschulischen Lernortes wurde. Aus den verschiedenen Rückmeldungen auf dem Rückweg zur Schule fängt diese den positiven Gesamteindruck recht treffend ein: „Man hat das Gefühl, es ist mehr als nur [irgend]eine Arbeit für alle, [die im Diakonissen-Krankenhaus arbeiten]".
Arne-Horst Kober (FL für Evangelische Religion).

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