12. Juni 2026
Erasmus+ auf den Azoren
Ein persönlicher Bericht einer Lehrerin
In den Maiferien vom 25.05. bis 29.05.2026 nahm ich auf der Azoreninsel São Miguel an der von der Europäischen Union geförderten Erasmus+-Lehrkräftefortbildung Creating Emotionally Safe Classrooms teil.
Die Fortbildung beschäftigte sich mit der Bedeutung eines emotional sicheren schulischen Lernumfelds, das durch Vertrauen, Wertschätzung, Empathie, aktives Zuhören und einen respektvollen Austausch geprägt ist. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie ein solches Lernklima geschaffen werden kann und wie die dafür notwendigen Haltungen und Methoden nachhaltig im schulischen Alltag verankert werden können. Dabei wurde insbesondere thematisiert, wie positive Kommunikation gefördert und zwischen Lehrkräften sowie Schülerinnen und Schülern tragfähige Beziehungen aufgebaut werden können.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Gestaltung von Routinen und Ritualen, die emotionale Sicherheit, Zugehörigkeit und Inklusion fördern. Wir setzten uns damit auseinander, wie klare Strukturen, verlässliche Abläufe und gemeinschaftsstärkende Rituale dazu beitragen können, dass sich alle Lernenden angenommen, respektiert und in ihrer Individualität wertgeschätzt fühlen.
Darüber hinaus lernten wir verschiedene Methoden der Selbstregulation und der Co-Regulation kennen, die sowohl Lehrkräften als auch Schülerinnen und Schülern dabei helfen können, mit Stresssituationen konstruktiv umzugehen. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Förderung von Achtsamkeit und Selbstwahrnehmung. Ziel war es, die eigene Aufmerksamkeit zu schärfen und bewusster auf Herausforderungen im Schulalltag reagieren zu können. Atemübungen und Dankbarkeitspraktiken wurden als einfache, aber wirkungsvolle Methoden vorgestellt, um das emotionale Wohlbefinden zu stärken und innere Ruhe zu fördern.
Darüber hinaus erhielten wir einen Einblick in die Funktionsweise des Nervensystems und setzten uns mit der von Stephen Porges entwickelten Polyvagal-Theory auseinander. Diese beschreibt, wie das autonome Nervensystem auf Sicherheit, Stress und soziale Beziehungen reagiert und welche Auswirkungen dies auf Lernprozesse sowie zwischenmenschliche Interaktionen hat.
Ein weiterer interessanter Aspekt war die Unterscheidung zwischen Akzeptanz und Resignation. Diese Erkenntnis kann sowohl Lehrkräften als auch Schülerinnen und Schülern dabei helfen, Herausforderungen mit mehr Gelassenheit, Selbstwirksamkeit und Handlungskompetenz zu begegnen.
In einer ruhigen, wertschätzenden und sicheren Atmosphäre gelingt nachhaltiges Lernen deutlich besser. Daher beschäftigten wir uns außerdem mit Strategien zur Konfliktprävention, mit klarer und respektvoller Kommunikation sowie mit Möglichkeiten, positive Beziehungen im schulischen Alltag gezielt zu fördern. Dabei wurde deutlich, wie wichtig Empathie, gegenseitiges Verständnis und eine Kultur des aktiven Zuhörens für ein erfolgreiches und inklusives Lernen sind.
Die im Kurs vermittelten Inhalte leisten einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung einer positiven Schul- und Lernkultur. Die erlernten Methoden können dazu beitragen, das soziale Miteinander in den Klassen zu stärken, Konflikten vorzubeugen und die Lernbereitschaft der Schülerinnen und Schüler zu fördern. Insbesondere die Ansätze zur Selbstregulation, Achtsamkeit, wertschätzenden Kommunikation sowie zur Gestaltung sicherer und inklusiver Klassenstrukturen lassen sich unmittelbar in den Unterrichtsalltag integrieren. Darüber hinaus können die gewonnenen Erkenntnisse im Kollegium weitergegeben und für die Gestaltung eines lernförderlichen und emotional sicheren Schulumfelds genutzt werden. Auch die internationalen Kontakte und der Austausch bewährter Praxisbeispiele bieten wertvolle Impulse für die weitere Schulentwicklung.




