01. März 2026
Der Moment, in dem die Kopfhörer schwiegen
Ein Bericht von Lea Schlegel
Am Freitag, dem 16.01.2026, besuchte der Musikkurs der 11. Klasse gemeinsam mit seinem Musiklehrer das Chor- und Orchesterkonzert der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig. Dabei war auch ich als Mitglied des Musikkurses der 11G anwesend.
Erwartungen treffen auf Realität
Da ich bisher noch nie in einem Chor- und Orchesterkonzert war, hatte ich keine besonderen Erwartungen. In den Informationen wurde beschrieben, dass Werke aus Impressionismus, Romantik und Moderne gespielt werden würden. Da diese nicht meinem Musikgeschmack entsprachen, wusste ich nicht direkt, worauf ich mich einstellen sollte. Denn ich gebe zu: Werke aus diesen Zeitspannen habe ich bisher nur im Musikunterricht gehört. Trotzdem freute ich mich auf den Abend, da ich neugierig war und auch gerne die Musik dieser Epochen mal live erleben wollte, nicht nur in der Theorie im Unterricht.
Das Konzert war gut besucht, und obwohl viele Personen anwesend waren, war die Stimmung eher ruhig und konzentriert. Zu Beginn des Konzertes wurde das Licht gedimmt, sodass die Musiker auf der Bühne in den Vordergrund rückten. Dadurch schien die Stimmung gespannt sowie konzentriert; das Publikum war wie erstarrt, sobald die ersten Töne erklangen.
Ein Abend voller Kontraste
Zuerst wurde dabei die Nänie op. 82 für Chor und Orchester von Johannes Brahms durch das Hochschulsinfonieorchester und den Hochschulchor aufgeführt. Dieses Werk klang aufgrund der verschiedenen Instrumente und dem großen, gut ausgebildeten Chor sehr mächtig und spannend.
Anschließend wurde eine Komposition von Francis Poulenc durch das Orchester sowie eine Sängerin vorgestellt. Dabei wirkte vor allem der Gesang, der mich an Operngesang erinnerte, sehr raumumgreifend, aber auch anspruchsvoll – auch zum Anhören.
Nach einer kurzen Pause erklang ein Werk von Henri Dutilleux, einem französischen Komponisten der Moderne. Bei diesem Stück standen die Violine sowie das Violoncello (auch als Cello bekannt) im Vordergrund. Während die Violinen oft hohe, schnelle Passagen hatten, klang das Violoncello deutlich tiefer und auch ruhiger. Dadurch entstand ein sehr kontrastreicher, aber auch eindrucksvoller und sehr magischer Klang.
Das Highlight: Igor Strawinskis „Feuervogel“
Noch kontrastreicher wurde es aber im letzten Werk des Abends, einem recht bekannten und beliebten Musikstück, welches bedeutend für die Entwicklung des russischen Balletts zu Anfang des 20. Jahrhunderts war. Als Abschluss wurde nämlich „Der Feuervogel“ von Igor Strawinski gespielt. In dieser Komposition kamen auch die Blechbläser sowie Holzbläser des Orchesters sehr gut zur Geltung, während sie bei den vorherigen Stücken eher im Hintergrund blieben. Durch die Abwechslung von Bläsern, Violinen sowie Violoncelli sowie die scheinbar gleitenden Tonfolgen wirkte auch dieses Werk sehr einnehmend, aber auch intensiv. Durch die Einsätze der Holzbläser wurde auch noch mal ein emotionales Maximum erreicht, da diese eher traurig und verzweifelt klangen.
Auch das Hören erforderte ein gewisses Mitdenken und gutes Zuhören, da es sich um sehr schöne und gut gestaltete, aber auch musikalisch tiefgründige und anspruchsvolle Werke handelte. Durch die Abwechslung in den Epochen und die dadurch verschiedenen Spielweisen und Ziele der Musikstücke erschien das ganze Konzert zusammenfassend sehr eindrucksvoll, aber auch kontrastreich.
Mein Fazit: Ein Blick über den Tellerrand
Dieses Konzert hat mich nachdenklich gemacht. Auf der Heimfahrt hörte ich nicht wie sonst Musik auf meinen Kopfhörern, sondern dachte einfach über das Konzert und die besondere Stimmung nach. An diesem Abend habe ich auch gemerkt, dass auch Musik aus früheren Epochen sehr spannend sein kann. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass ein Hochschulsinfoniekonzert mit Werken aus Impressionismus, Romantik und Moderne – einer Zeit von etwa 1880 bis 1920, nicht wie der Name vielleicht vermuten lassen würde aus diesem Jahrhundert oder sogar Jahrzehnt – so intensiv sein und einen so mitnehmen kann.
Insgesamt kann ich dieses Konzert jedem empfehlen, der offen dafür ist, auch noch etwas Neues über Musik zu lernen und sich aktiv mit dieser auseinanderzusetzen. Sich für diese etwa zweieinhalb Stunden (und vielleicht auch hinterher) in eine heute eher untypische, aber meiner Meinung nach sehr fesselnde Musikrichtung mitnehmen zu lassen, ist eine neue, aber auch sehr schöne Erfahrung.